Digitale Dividende

Die Digitalisierung des Rundfunks sorgte notwendigerweise dafür, dass analoge Rundfunk- und Fernsehfrequenzen frei wurden. Die digitale Datenübermittlung von Rundfunk- und Fernsehsignalen benötigt nur etwa 10 Prozent des Datenvolumens im Vergleich mit einer analogen Übermittlung. Die frei gewordenen Frequenzen können in digitale Frequenzen umgewandelt oder anderweitig genutzt werden, womit mehr Kanäle in der Informationsverbreitung entstehen.

Insbesondere im ländlichen Raum Deutschlands gibt es noch Probleme mit Breitband-Verbindungen. Durch die Digitale Dividende können diese Probleme besser angegangen werden. Beim Stadt-Land-Vergleich der Nutzung von Telekommunikation hat sich in den letzten Jahren eine "Digitale Kluft" herausgebildet, die sehr viele Nachteile für das wirtschaftliche Wachstum der ländlichen Regionen hatte. Mit Hilfe der Digitalen Dividende kann man dünn besiedelte Regionen besser mit Datentransferkapazitäten versorgen. Mitte 2010 hat die Bundesnetzagentur Frequenzen in den Bereichen 800-MHz, 1,8 GHz, 2 GHz und 2,6 GHz für den drahtlosen Internetzugang versteigert:

Uplink Downlink Preis
o2 Telefonica 5 MHz im Bereich 832,0 - 837,0 MHz 5 MHz im Bereich 791,0 - 796,0 MHz 616,595 Mio. €
o2 Telefonica 5 MHz im Bereich 837,0 - 862,0 MHz 5 MHz im Bereich 796,0 - 821,0 MHz 595,76 Mio. €
Telekom 5 MHz im Bereich 837,0 - 862,0 MHz 5 MHz im Bereich 796,0 - 821,0 MHz 570,849 Mio. €
Telekom 5 MHz im Bereich 837,0 - 862,0 MHz 5 MHz im Bereich 796,0 - 821,0 MHz 582,949 Mio. €
Vodafone 5 MHz im Bereich 837,0 - 862,0 MHz 5 MHz im Bereich 796,0 - 821,0 MHz 583,006 Mio. €
Vodafone 5 MHz im Bereich 837,0 - 862,0 MHz 5 MHz im Bereich 796,0 - 821,0 MHz 627,317 Mio. €

Auch die Programmanbieter haben Vorteile durch die Digitale Dividende. Sie können durch die niedrigere Signalstärke Kosten sparen oder ihr Programmangebot deutlich ausweiten.

Digitale Dividende als Begriff ist aber umstritten. Schließlich komme es bei der Datenübermittlung nicht auf die Quantität sondern auf die Qualität an. Bei der Vorstellung einer Dividende durch Digitalisierung gehe dieser Aspekt unter. Mehr Rundfunk- und Fernsehprogramme muss nicht bedeuten, dass die Bevölkerung besser als bisher über politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen informiert wird. Kritisiert wird auch, dass die Vorgaben zur Versorgung unterschiedlicher Regionen keiner ausreichenden Qualitätskontrolle unterliegen. Die Netzwerkbetreiber sind zwar in der Lage genau zu sagen, wo sie welche Bandbreite zur Verfügung stellen. Aber diese nützlichen Informationen werden nur auf freiwilliger Basis zusammengestellt und von keiner übergeordneten Instanz einer konsequenten Auswertung zugeführt.